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Buchrezension "Felderstrategie für Morra-Gambit" in "Rochade", Ausgabe 9, Sept. 2006, Seite 66

in "Rochade Europa", Ausgabe 9, Sept. 2006, Seite 6

"IM Alexander Bangiev hat als Schachtheoretiker eine neue Herangehensweise entwickelt: die B-Methode (Bangiev-Methode), bestehend aus der Felderstrategie, der richtigen Denkmethode und dem Denktechniktraining (S. 11). Die Grundregel dabei lautet: Felder vor Zug (Vorwort S. 8). Der Autor beschreibt die Strategie-, Richtungs- und Feld-Frage bei der Suche nach dem besten Zug (S. 12), und führt die Begriffe der Kontrollzone (vier bis sechs diagonal benachbarte Felder einer Farbe, S. 14), der Felderkontrolle (S. 19) und der Zielfelder ein (S. 20). Andere Bezeichnungen waren auch schon früher bekannt; das stattliche Glossar der B-Methode umfasst immerhin 12 Buchseiten (S. 11-22). Bangiev wendet nun seine Methode auf das aggressive Morra-Gambit in Sizilianisch an (1.e4 c5 2.d4 c:d4 c3) und teilt seinen Stoff wie folgt ein:

Teil I: Eröffnung
Die Angriffe von Weiß (in diesem Buch werden alle Aspekte vornehmlich aus Sicht des Anziehenden betrachtet) richten sich vor allem gegen die Zielfelder f7 und c7 (S. 23-27).

1) Angenommenes Morra-Gambit 3...d:c3 4. S:c3 mit den Abspielen 4...Sc6 5.Sf3 und nun 5...e5/...g6/ ...d6/e6, bzw. 4...e6 5.Sf3 und nun 5...e5/...g6/...d6/...e6, bzw. 4...e6 5.Sf3 a6 6.Lc4 b5 7. Lb3 und weiter 7...Se7/...Lc5/...Lb7(S. 28-66 mit vielen Partiefragmenten).

2) Abgelehntes Morra-Gambit: 3... Sf6: oder 3...d5 und nun folgt 4. c:d4 d:e4 5.Sc3 Sf6 6.Lc4/Sge2/ f3/Lg5; oder 3....e6 4.c:d4 d5 5. Sc3 d:e4 und jetzt 6.f3/S:e4; schließlich 3...d3 4. c4 d6 5.L:d3 Sc6 6.Sc3 und dann 6...e6/...g6 (S. 67-77, ebenfalls mit etlichen Beispielen).

Teil II: Mittelspiel
Nach einführenden Bemerkungen zum Übergang von der Eröffnung ins Mittelspiel (verstärkter Kampf um die Felderkontrolle, gesicherter Raum, Stellungsstärken und -schwächen, Bedeutung der Initiative, S. 78-81) folgen Materialien zum Selbststudium und zum Training der Denktechnik:

1) 37 Meisterpartien aus den letzten 20 Jahren mit Kommentierung und vielen Analysen (S. 82-121);

2) 27 beispielhafte weiße Angriffe auf die schwarze Königsfestung mit z. T. ausführlichen Anmerkungen (S. 122-140);

3) 42 taktische Momentaufnahmen mit typischen Morra-Gambit-Situationen, wo der Führer der weißen Steine kombinatorische Schläge anbringen kann (S. 141-155).

In seinem Fazit (S. 156) bringt es der Autor auf den Punkt: Das Morra-Gambit als scharfe (schärfste!?) Antwort auf Sizilianisch zwingt den Weißen dazu, ständig nach den aktivsten Möglichkeiten Ausschau zu halten. "Dieses Verhalten stellt eine Grundlage für die Steigerung eigener Motivation bzw. Konzentration dar. Das Spiel in den gefährlichen Situationen stärkt den Selbsterhaltungstrieb und die Selbstdisziplin. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Anwendung des Morra-Gambit eine lehrreiche wie auch methodische Bedeutung und eine durchaus positive Wirkung insbesondere auf die jungen Spieler hat." (Zitat aaO). Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Ein markantes Partiebeispiel zeigt, dass das Morra-Gambit auch gegen einen nominell wesentlich stärkeren Gegner mit guten Chancen probiert werden kann: Milman - Ehlvest, New York Masters 2003: 1.e4 c5 2.d4 c:d4 3.c3 d:c3 4.S:c3 Sc6 5.Sf3 e6 6.Lc4 Dc7 7.0-0 Sf6 8.Sb5 Db8 9.e5! Sg4 10.Sd6+ L:d6 11.e:d6 b5 12. Lb3 0-0 13.h3 Sf6 14.Te1 a5 15. Lg5! a4 16.L.:f6 g:f6 17.Lc2 Sb4? 18.Lb1 Sd5 19.Sh4 D:d6 20.Dg4+ Kh8 21.Sf5 1:0 (S. 82 f., dort mit zahlreichen Anmerkungen und Analysen; im 1. Kapitel von Teil II).

Die Bangiev-Methode ist natürlich erst einmal gewöhnungsbedürftig. Dem vorliegenden 1. Band aus der Reihe "Bangiev-Bibliothek" will der Verfasser deshalb weitere folgen lassen, die sich mit der Felderstrategie beschäftigen: ein Buch über Taktik und drei Lehrhefte. Ob sich die B-Methode letztendlich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten - ein vielversprechender Anfang ist jedenfalls gemacht!

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 9/2006

 
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