Methode
Leserbriefe
Von Herrn Clemens Hünerberg
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Lieber Herr Bangiev, Sie baten mich um eine Stellungnahme bezüglich Ähnlichkeiten zwischen der Rezension von Herrn Große und meinen "Restzweifeln". Ansatzweise. ja. Aber während Herr Grosse keinen Verständigungsgewinn mit ihrer Theorie und Methode erkennen kann, bin ich von ihren Nutzen überzeugt und habe das auch im Gegensatz zu Herrn Grosse sowohl an Beispielen als auch mit theoretischen Überlegungen versucht zu belegen.
Anders als er behauptet, reiht er sich in die Reihe der
polemischen Kritiker a la Schlemmermeyer ein. Herr Große zitiert Sie einmal ausführlicher, aber eine inhaltliche Auseinandersetzung findet
nicht statt. Stattdessen diffamiert er ihr Hauptwerk als "eine Art Kochbuch",das zahlreiche "umständliche Begriffsdefinitionen" und wenig
anwenderfreundliche "Allgemeinheiten" für Schüler und Amateure bietet. Er
bevorzugt und empfiehlt leichtlesbare Abendlektüre.
Wenig glaubwürdig ist es, dass Herr Große sich die Grundlagen ihrer
M.Weteschnik
schreibt dazu ( ohne Kenntnis der Felderstrategie ) in seinen sehr instruktiven Lehrbuch der Schachtaktik: " Versuchen Sie die anfangs
vielleicht merkwürdig anmutende Idee zu verfolgen, nämlich ihre Berechnungen von der Endstellung ,einen Ziel aus zu beginnen. Sie
nehmen dadurch bereits den taktischen Weg vorweg." (S.108) Ich möchte die Bedeutung der Strategie mit mehreren Zitaten von Exweltmeister Kasparov aus seiner außergewöhnlichen Biographie unterstreichen. So heißt es bei ihm:" Die erfolgreichen Schachspieler
verankern ihre Berechnungen bei jedem Spieltempo fest in strategischer
Planung. Eine schnelle und eine wirkungsvolle Analyse schließen einander demnach nicht aus, sofern eine Leitstrategie vorhanden ist." (S.39) Weiter
ist zu lesen: "Sich ein großes Fernziel und kleine Zwischenziele zu
stecken, ist der erste Schritt, daran festzuhalten und auf Kurs zu bleiben der zweite." (S.42) Natürlich ist das schwierig, meint
Kasparov:" Der Grad zwischen Flexibilität und Konsequenz ist schmal. Ein
Stratege muss Vertrauen in seine Strategie haben und den Mut sie zu befolgen. Gleichzeitig sollte er offen für einen Richtungswechsel
sein." (S.52) Dabei ist es nach Kasparov wichtig:" Wir müssen wissen, wonach wir fragen, und diese Fragen immer wieder stellen. Haben sich die Bedingungen
so geändert, daß ein Strategiewechsel vonnöten ist, oder reicht eine kleine Korrektur aus? Haben sich grundlegende Ziele verändert?" (S.53) Abschliessend bringt es Kasparov auf den Punkt:
"Während sich der Begriff Strategie abstrakt auf langfristige Ziele
bezieht, geht es bei der Taktik konkret um den in diesem Moment
optimalen Zug." (S.62)
Von einen Schachgenie zu lernen, ist sicher empfehlenswert Kasparov hat zahlreiche "felderstrategisch" lehrreiche Partien kreiert. (Beispiel
Kasparov-Shirov 1996). Leider ist er uns aber eine Strategietheorie schuldig geblieben. Wie komme ich denn zu einer Stellung- und
Partieangemessenen Strategie? Wie ermittle ich die strategisch und
taktisch wichtigen Felder, Teil- und Hauptziele? Wie erkenne ich Strategie-, Richtungs- und Farbwechsel?
Es ist ihr Verdienst, Herr Alexander Bangiev, mit ihrer Felderstrategie und Denkmethode, dazu einen wichtigen Beitrag zu leisten. Herr Große macht den gleichen Fehler wie die meisten Amateure: Er stellt
die Berechnung von Varianten in den Vordergrund und sucht nach Kombinationen, aber allein mit taktischen Mitteln oder leichzugänglicher
positioneller "Abendlektüre" lässt sich das amateurhafte Denken nicht
überwinden. Um taktisch aussichtreiche Stellungen zu erreichen, müssen wir
unsere strategische Kompetenz schulen. Die Felderstrategie und
Alexandertechnik bietet dafür sehr gute Möglichkeiten.
Natürlich haben Sie Recht, wenn sie warnen: Man könne die Praxis allein
mit der Theorie meistern. "Dabei wird ein wichtiger Aspekt vergessen, die
eigene Erfahrung!`" Üben, Üben und noch einmal üben! Zum Schluss habe ich eine Bitte: Vergleichen Sie mein Anliegen möglichst nicht mit Herrn
Große. Wenn Zwei die gleichen Zweifel haben, müssen sie nicht auch der
gleichen Meinung sein. Herr Große hat keinen Zugang zu ihrer Theorie
gefunden, mein schachliches Denken hat sie verändert und beflügelt. Neben der Theorie bemühe ich mich um die praktische Aneignung.
Mit freundlichen Grüßen, |
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Felderstrategie