| Beitrag zur Bundesliga-Umfrage |
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Grundsätzlich
bin ich mit der gegenwärtigen Situation in der Bundesliga zufrieden. Die besten
ausländischen Spieler kommen nach Deutschland und zeigen hier ihr Können. Man
muss sich dafür bei Sponsoren bedanken. Wir haben viel von den Besten zu
lernen. Aus Sicht der Zuschauer trägt der hohe Ausländeranteil zur
Attraktivität der Sportart und aus gesellschaftlicher Sicht zur
Völkerverständigung bei. Sie, die Ausländer und die deutschen Mannschaften,
sind Werbeträger und deshalb interessant für Sponsoren.
Ob
die ausländischen Spieler die jungen deutschen Talente hindern, bzw. eine
negative Auswirkung auf das Deutsche Schach haben, ist fraglich. In
der Handball- oder Fußballbundesliga spielen auch viele ausländische Spieler.
Trotzdem sind die Deutschen Weltmeister geworden. Natürlich kann die Bundesliga zur Förderung der jungen Talenten wesentlich mehr
leisten. Die Bundesliga ist ein wichtiger Teil des Deutschen Profischachs. Es wäre eine nennenswerte Zielsetzung, die
Anteil der jungen heimischen Spieler in den deutschen Ligen zu vergrößern. Die
Quotenregelung würde ich für zu einfach halten und als "ein Schuss"
in die falsche Richtung werten. Unter heutigen Umständen im Deutschen
Profischach ist diese Zielsetzung meiner Meinung nach unrealistisch. Man muss
den gesamten Schachverkehr in Deutschland (Vereinstätigkeit, Trainerausbildung,
Turnierbetrieb, Sponsoring und öffentlicher Stellenwert) kritischer unter die
Lupe nehmen. Die stärkste Bundesliga der Welt ist kein Spaziergang. Die schwachen Mannschaften werden gleich wieder aussortiert. Die Spieler und Vereinsverantwortlichen stehen unter Druck. Wenn man die Anforderungen stellt, sich an der Bundesliga zu beteiligen, muss dafür eine Grundlage bestehen oder geschaffen werden. Die Grundlage ist die finanzielle Unterstützung durch Sponsoren. Dabei verfolgen die Sponsoren unterschiedliche – meist materielle, aber immer nur kurzfristige Interessen. Sie möchten so schnell wie nur möglich eine starke Gruppe zusammensetzen und die besten Ergebnisse erzielen. Die Sponsoren möchten gerne ihr Sponsoring z.B. durch Medien bekannt geben. Die Medien sind streng leistungsorientiert, sie möchten nur über Erfolge berichten. Für Sponsoren zählt also nur die Leistung, sie sind bereit, die erfolgreichen Mannschaften zu unterstützen. Der Erfolgt ist das Sauberwort. Dafür benötigen sie klingende Namen.
Die Vereinsverantwortlichen
bzw. Sponsoren haben die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: 1) Die einheimischen
Spieler auszubilden oder 2) sich deutsche oder ausländische Profis zu suchen. 2. Deutsche Schachprofis.
Eine Schachpartie in der
Bundesliga bedeutet für den Spieler mindestens drei Tage angestrengter Arbeit
(Vorbereitung zur Partie, Anreise und Abreise, mehrstündige Partien). Dabei ist
von Bedeutung, ob man die Partie gewinnt oder nicht. Es ist die Aufgabe für
Profis. Bei uns gibt es aus
finanziellen Gründen fast keine deutschen Schachprofis bzw. Berufsspieler. Kein
Bundesbürger traut sich zu, Schach als Beruf auszuüben. Vom
3. Deutsche Schachtalente. 3.1 Viele Schachtalente würden gerne den Profiweg ausprobieren. Eine verlockende Möglichkeit stellt die aktive – eben professionelle - Beschäftigung mit Schach bis zum Abschluss eines Studiums dar. Aber im Alter von 22 - 25 Jahren (je eher desto besser) muss man sich schon Gedanken über die berufliche Karriere machen, das bedeutet oft, in der Tat mit Schachspielen aufhören. Dieses Model räumt auf lange Sicht nur dann Chancen ein, wenn man bis zum 15 bzw. 16 Lebensjahr schon die Spielstärke - ungefähr 2400 Elopunkte - besitzt. Auf dieser Grundlage könnte man mit dem Gedanken spielen, sich intensiv mit Schach zu beschäftigen und eine Profilaufbahn einzuschlagen. Diese Überlegungen sind berechtigt. Dies belegt ein einfaches Rechenbeispiel: Man hat noch 5 - 6 Jahren Zeit für eine wesentliche Verbesserung der spielerischen Stärke, die Chance, möglicherweise in die Spitze zu kommen. 3.2. Ist das heutzutage möglich, bis zum 15 bzw. 16 Lebensjahr die Spielstärke -ungefähr 2400 Elopunkte - zu erreichen? Ich denke „nein“ (von ein paar Ausnahmen abgesehen). Die Gründe sind vielfältig. Ein Talent braucht im Grunde ein regelmäßiges Schachtraining und die Möglichkeit, sich regelmäßig an stark besetzten Schachturnieren zu beteiligen. Das verbessert die Spielstärke und bedeutet zugleich auch die Stärkung von Psyche und Physik. 3.3. Wie trainiert sich ein Schachtalent? In der Regel in einem Schachverein. Doch auf Vereinsebene findet heutzutage – keine Regel ohne Ausnahme - kein regelmäßiges, Erfolg versprechendes Schachtraining statt, und dies lässt sich in absehbarer Zeit kaum ändern. Die Gründe dafür sind die mageren Vereinskassen und die Trainingskosten. Diese sind enorm hoch. Die fehlende Motivation der Trainer spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Es ist vor allem ein Stück schwere Arbeit bei schlechter Bezahlung. Es bleibt dem interessierten, aufstrebenden Spieler deshalb nur die Möglichkeit, seine Schachausbildung durch das Lesen von Schachbüchern und/oder kommentierten Schachpartien zu fördern. Hier findet man aber auch kein einheitliches Konzept. Es lässt sich deshalb für die momentane Situation festzustellen: 1) das Training im Verein ist unzureichend, 2) die Trainingskosten sind sehr hoch, 3) das Selbsttraining bei Nachwuchsspielern ist kaum effektiv. 3.4. Die Teilnahme an Schachturnieren Die Technik des Schachspielen ist die Technik des Denkens. Diese wird nur beim Spielen trainiert. Die Teilnahme an Schachturnieren spielt deshalb eine entscheidende Rolle. Auf Vereinsebene finden heutzutage zahlreiche Turniere statt. Alle haben eines gemeinsam, die Spiele werden an einem bestimmten Tag (Vereinsabend oder am Wochenende) ausgetragen. Das alles ist an den Bedürfnissen der Amateure ausgerichtet. Wenn aber ein junges Talent an einem bedeutsamen Turnier teilnimmt, z.B. an der Europameisterschaft, muss er jeden Tag eine Partie und mehrere Tage lang spielen. Er muss also unter diametral entgegen gesetzten Turnierbedingungen spielen. Wenn man keine Erfahrungen mit solchen Turnierbedingungen hat, kommt man schnell in Nachteil. Wenn man die Wichtigkeit einer solchen Europameisterschaft für ein junges Talent bedenkt, wird klar, dass auch in Deutschland die Turniere unter ähnlichen Turnierbedingungen einen Platz finden müssen. Es darf die Schlussfolgerung erlaubt sein, dass die jungen Talente im Verein kein richtiges Schach- und Spieltraining bekommen. 4. Ausländische Schachprofis. Europa ist heutzutage eine Wohnung mit offenen Türen. Man könnte in vielen Ländern spielen, grundsätzlich gibt es also die finanziellen Möglichkeiten für Schachprofis. Es existiert ein Markt für „Schach-Arbeitskräfte„. Am Markt diktiert aber das Geld, sprich der Sponsor. Deutschland liegt zentral, ist also ein Magnet für ausländische Schachprofis. 1-4: Fazit: 1. Die Einberufung von ausländischen Profis ist für Sponsoren nicht nur der einfachste Weg, sondern unter heutigen Gegebenheiten alternativlos. 2. In Deutschland herrscht ein ungünstiges Klima für die einheimischen Berufsspieler und als Folge für deren Sponsoren. 3. Nach dem Moto "Man möchte sich negative Erlebnisse (Emotionen) ersparen" trauen sich viele einheimische Spieler die Aufgabe, gegen starke Profis zu spielen, nicht zu. Der Trend "Amateure raus, Profis rein" ist die Folge. Der Anteil ausländischer Spieler in deutschen Ligen wächst also stetig und das scheint nicht zu stoppen. Das ist die Realität. 4. Es gibt genug Schachtalente in Deutschland. Sie hören leider zu früh mit Schach auf, weil sie keine Chance haben, mit ausländischen Profis zu konkurrieren. 5. Was muss getan werden, um mehr deutsche Schachspieler in der Bundesliga teilhaben zu lassen? Hier muss man die kurz- und langfristigen Maßnahmen unterscheiden. 5.1. Die kurzfristigen Maßnahmen: a)Die Einführung von Quoten wäre die radikalste Maßnahme. b)Ein anderer Vorschlag wäre, dass der DSB oder die nachgeordneten Verbände jedem Verein für die Einberufung eines deutschen Spielers, wie es bei manchen Arbeitgebern üblich ist, finanzielle Unterstützung leisten würden. Diese Maßnahmen allein führen meiner Meinung nach zu keinen nennenswerten Verbesserungen für die deutschen Talente. Wenn man gegen starke Gegner spielen muss, ohne sich richtig zu trainieren, hat das Überförderung zur Folge. Wenn man dann die Partien auch noch verliert, geht die Motivation völlig verloren. c)Die Berufung eines Trainers Die Verstärkung einer Bundesligamannschaft bzw. die Verbesserung einheimischer Mannschaftsmitglieder durch einen Trainer, wäre sehr zu begrüßen. Diese Möglichkeit entspricht am besten den Wünschen und Forderungen der Schachfreude. Wie wird dieses Ziel in der Praxis umgesetzt? Einen Trainer können sich nur wenige Vereine leisten. Die Grundlage wäre eine entsprechende finanzielle Vergütung, die nur von Sponsoren kommen kann. Die Sponsoren stehen in der Regel der Trainerverstärkung sehr skeptisch gegenüber, und sie haben Gründe dafür: Erstens gibt es in Deutschland keinen Beruf als Trainer, es gibt deswegen keinen „Arbeitsmarkt“ für Trainerkräfte. Zweitens sind die Erfolgsaussichten einer Trainerarbeit mit der Mannschaft fraglich, zumindest schwer einzuschätzen, weil die praktizierenden Trainingsmethoden unzureichend erforscht und nicht erfolgsorientiert sind.
d)Es muss auch auf
europäischer Ebene zu Gunsten der Schachprofis etwas geändert werden. Es muss
vor allem die Bedeutung der europäischen Ligen auf der Europaebene gestärkt
werden. Es muss z.B. das Turnier der nationalen Meister gegeben sein, das mit
viel Geld ausgestattet werden müsste. Der Deutsche Meister wird Deutschland
präsentieren, und die Bundesliga gewinnt als Folge für Spieler, Sponsoren und
Fans an Bedeutung. Die Bundesligavereine werden motiviert, die Mannschaften zu
unterstützen. Es kann hier vieles nach dem Vorbild „Fußball“ bewegt werden.
5.2. Die langfristigen Maßnahmen:
Es muss auch auf Bundesebene
zu Gunsten der jungen Spieler etwas geändert werden. Es müssen spezielle
Strukturen für talentierte Kinder und Heranwachsenden erarbeitet werden: b)Die Kinder ab 5, 6, 7 Lebensjahr könnten bzw. müssten vor einem Vereinsbeitritt mindesten ein Jahr eine solche allgemeine Schachschule besuchen. Damit sollten sie im Verein bessere Chancen haben. c)Es müsste in Deutschland z.B. Stützpunkte geben, wo die Schachtalente intensiv trainieren können. d)Der Beruf des Schachtrainers müsste vor allem mehr Anerkennung finden. Es müssten wissenschaftlichen Trainingsmethoden erarbeitet werden. In anderen Sportarten ist das schon lange Realität, woran viele Institutionen arbeiten. Im deutschen Schach gibt es so etwas nicht. e)Die Trainerausbildung muss in Richtung der Verbesserung der Qualität der Trainingsgestaltung entwickelt werden. Dafür muss die Schachausbildung professionell und nicht – wie in der Regel bei uns - dilettantisch aufgebaut werden. Das wird dann möglich, wenn die Schachspieler/innen die Technik des Denkens trainieren. f)Die Kosten für Schachtraining sind ein spezielles und wichtiges Thema. Man muss beim Schachspielen viele Trainingsstunden absolvieren, bis man eine normale Spielstärke erreicht. Die Trainingskosten müssen drastisch reduziert werden. Das wird dann möglich, wenn sich an einem Training gleichzeitig mehrere Schachsportler beteiligen, wie es in anderen Sportarten der Fall ist. Manche Enthusiasten versuchen, geeignete und kostengünstige Trainingsmethoden (B-Methode!) zu erarbeiten, ohne jede Unterstützung, d.h. ohne sichtbaren Erfolg. g)Es müssten Turniere für junge Talente eingerichtet werden. Die Jugendlichen müssen dabei stets gegen starke Spieler spielen können und unter Turnierbedingungen bedeutsamer Turniere, wie der von Europa- bzw. Weltmeisterschaften. h)Die Turniere für Profis müssen speziell ausgerichtet werden. Die Profis müssen eingeladen und mit Geldpreisen abgesichert werden. Hannover, 5.11.2007 Alexander Bangiev, IM, Oberligaspieler für PSC Hannover, Trainer, Autor |
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